2016 veranstaltete die Stadt Köln einen künstlerischen Wettbewerb für ein Mahnmal in der Kölner Keupstraße, das an das Nagelbomben-Attentat des sogenannten NSU am 9. Juni 2004 in der Keupstraße und am 19. Januar 2001 in der Probsteigasse erinnern soll. Der im November des gleichen Jahres ausgewählte Entwurf des Berliner Künstlers Ulf Aminde basiert auf seinen Gesprächen mit den Anwohner*innen und Initiativen in Köln und verbindet die Idee eines Mahnmals mit einem Ort der Begegnung.

 

Doch die Realisierung des Mahnmals am geplanten Standort Keupstraße/ Schanzenstraße kommt seitdem nicht voran. Denn auch die vorliegenden stadtpolitischen Beschlüsse können nichts mehr daran ändern, dass das Areal mittlerweile in den Händen von Investor*innen liegt, die andere Pläne haben: sie wollen dort, wo das Mahnmal entstehen soll, ein lukratives Gewerbequartier errichten und das Projekt an einen alternativen, entfernten Standort verdrängen. Die Initiativen und Gruppen IG Keupstraße, 'Keupstraße ist überall' und das Tribunal 'NSU-Komplex auflösen' treten, genau wie der Künstler selbst, für die Errichtung am geplanten Standort ein und erheben ihre Stimmen gegen eine erneute Verdrängung der Opfer-Perspektive.

 

 

Ausführliche Information auf

Deutsch, Türkisch, Englisch:

 

Klagen, Anklagen , Einklagen

das Tribunal 'NSU-Komplex auflösen' und

die Keupstraße, Köln

(Text: Timo Glatz / Gestaltung: Gesine Schütt)

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Das Mahnmal an der Ecke Keupstraße/Schanzenstraße ist eine Würdigung der Menschen von der Keupstraße, die seit fast 15 Jahren die Last des Anschlags zu tragen haben und die maßgeblich dafür gekämpft haben, dass dieses Verbrechen erinnert wird und den Opfern Gerechtigkeit widerfährt. Die Betroffenen der Nagelbombe, die unmittelbar Verletzten und die Ladenbesitzer, die durch die Bombe und die nachfolgenden Verdächtigungen in eine schwere ökonomische Krise gestürzt wurden, sowie die ganze Straße, die nach dem Nazi-Terror einer behördlichen und medialen Stigmatisierung als vermeintliches Ghetto ausgesetzt war, sind zum Symbol des Widerstands gegen die Vertuschung und gegen den strukturellen Rassismus geworden. Diese Last muss ihnen durch die Materialisierung eines kollektiven Symbols genommen werden. Die Keupstraße hat ein Recht auf dieses Gedenken, so wie die Zivilgesellschaft eine Pflicht hat, dieses Recht durchzusetzen. Die Verweigerung des Gedenkens stünde in der Tradition jener Verweigerung von Gerechtigkeit, die die Menschen der Keupstraße seit 2004 erleiden müssen. Verweigert die Stadt das Mahnmal an diesem Ort, käme das nach der Nagelbombe und der jahrelangen Opfer-Täter-Umkehrung einem weiteren Angriff auf die Straße gleich, quasi einer weiteren Bombe nach der Bombe nach der Bombe.